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WWF: EU-Beschwerde zum Schutz des Fluss-Systems der Isel



Schwarzach: beabsichtigte Ausleitungsstrecke Wegen des offensichtlich ungehemmten weiteren Ausbaues der Wasserkraft im Einzugsgebiet der Isel wird der WWF Beschwerde bei der EU erheben.

Die Bewilliggungspraxis für Wasserkraftwerke in Tirol entspricht offensichtlich nicht internationalen Schutzverpflichtungen; die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie wird unzureichend umgesetzt.

Bereits im Jahre 2002 hat die Universität für Bodenkultur (Institut für Wasservorsorge, Gewässerökologie und Abfallwirtschaft) dargelegt, warum das Isel-Gewässersystem unbedingt schutzwürdig ist: Fachliche Stellungnahme aus gewässerökologischer Sicht.

Auch sollte der Wissenschafter-Apell an die Politik aus dem Jahre 2013 noch in Erinnerung sein, in welchem mehr als dreißig Fachwissenschafter verschiedener Universitäten an die Politik apellieren, an der Isel und ihren Zubringern Schwarzach, Kalserbach und Tauernbach keine Kraftwerke mehr zu errichten.

Höchste Zeit also, dass auch in Tirol die europäische Bedeutung eines noch unzerstörten Fluss-Systems zur Kenntnis genommen wird - nötigenfalls mit Unterstützung durch die EU.


Foto: WWF - Marianne Götsch

Der Iseltrail ist eröffnet!



Tirols LHStVin. Ingrid Felipe eröffnet den Iseltrail Gestern vormittag wurde in Lienz der neue Iseltrail feierlich eröffnet.

Eine gute Zusammenfassung der Eröffnung bringt osttirolheute; im Beitrag von Dolomitenstadt.at ist außer einer Bildserie sogar ein Video abrufbar, welches die vor drei Tagen gestarteteten Iseltrail-Pioniere stückweise begleitet.

Ingesamt ein würdiger Start für diesen Weitwanderweg, welcher die Isel - den Herzfluss Osttirols - von ihrer Mündung bis zum Ursprung begleitet.

Klimataugliche Flüsse statt subventionierter Naturzerstörung!


Gerade bei uns in Tirol wird in beispielsloser einfältiger Monotonie mit dümmlichen Werbephrasen die Wasserkraft als Allheilmittel für unsere energetischen Umweltprobleme dargestellt - wir haben schon mehrfach darüber berichtet.

Daher ist in Tirol auch die Situation besonders dramatisch. Zur bereits bestehenden ausgebauten Wasserkraft mit einem jährlichen Regelarbeitsvermögen in der Größenordnung von rund 7 Terawattstunden (TWh) sollen mindestens noch 2,5 TWh zusätzlich aus Wasserkraft gewonnen werden.

Viele Projekte dafür liegen schon in den Schubladen, während das Solarpotenzial in einer Größenordnung von ebenfalls mindestens 7 TWh allein auf den bestehenden Tiroler Dachflächen mit überdurchschnittlichem Jahresertrag zum allergrößten Teil noch ungenutzt sind. Schon seit 2015 findet sich auf der Homepage des Landes Tirol eine Studie, welche die äußerst großen Solarpotentiale in Tirol aufzeigt.

Nunmehr haben insgesamt über 40 Umweltverbände, Bürgerinitiativen und Stimmen aus der Wissenschaft einen dringenden Appell an die Bundesregierung gerichtet und warnen vor einem zügellosen weiteren Wsasserkraft-Ausbau auf Kosten der Natur. Gefordert werden wirksame Naturschutzkriterien im geplanten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), damit keine neuen Kraftwerke in Schutzgebieten und in den letzten intakten Flussstrecken subventioniert werden.

Die Zeit drängt, demnächst wird der erste Entwurf erwartet, bereits im Herbst soll der Nationalrat das EAG beschließen. Daher müssen wir uns jetzt auf allen Ebenen für klimafitte Flüsse und gegen subventionierte Naturzerstörung einsetzen!

Die Energiewende muss naturverträglich sein. Eine zentrale Anforderung dafür ist, dass keine neuen Kraftwerke in Schutzgebieten und an den letzten ökologisch sehr guten Flüssen mit Geldern aller Stromkunden subventioniert werden!

Iseltrail: Bald geht's los


"Bald machen sich die "Iselpioniere" auf den Weg" berichtet "Dolomitenstadt" über jene Familie, welche in Begleitung einer Fotografin als "Iselpioniere" den Iseltrail als erstes begehen wird.

Eingeladen hat hierzu der Tourismusverband Osttirol; es hatten sich viele Familien für diese Flusswanderung beworben.

Tiroler Sittenbild


"Geislers Sager ist ein Sittenbild der Gesellschaft": Irene Rapp spricht heute in der Tiroler Tageszeitung an, was so viele im Lande immer wieder feststellen mussten und weiterhin feststellen ...


Tirols LHStV. Geisler am Landhausplatz in Innsbruck, mit Sicht auf die TIWAG-ZentraleEin Tiroler Sittenbild, was Bürgerinnen und Natur in Tirol angeht:
Der Standard hatte gestern als erstes Medium darüber berichtet: Tirols Vizelandeshauptmann Geisler beschimpft WWF-Aktivistin"; interessant auch die Postings hierzu.

Im Standard-Beitrag sind auch parteipolitische Hintergründe der Wasserkraft-Diskussion dargestellt; diesen Zuständigkeitswechsel haben wir in Osttirol schon leidvoll konstatieren müssen: War es doch Geisler, welcher - offensichtlich auch auf Betreiben des Osttiroler LA Kuenz den Lesachbach für ein weit überdimensioniertes Wasserkraftwerk freigegen hat - und damit den in Österreich üblichen Weg der Missachtung der Wasserrahmenrichtlinie klar fortsetzt, um seiner bäuerlichen Klientel Vorteile zu verschaffen.

Die Tiroler Tageszeitung geht auch in weiteren Beiträgen auf die Entgleisung Geislers ein: Auf die dadurch hervorgerufene Aufregung und politische Reaktionen, aber auch auf die Relativierung durch sein Büro und das Missfallen von LH Platter.

Nahezu jeder in Tirols Naturschutz Engagierte weiß aber auch aus eigenem Erleben, dass sich in einer solchen Bemerkung nicht nur eine Überheblichkeit gegenüber Bürgern und besonders Bürgerinnen zeigt, sondern auch ganz deutlich gegenüber unserer Natur - eine jahrzehntelang geübte Grundeinstellung von "Wir sind Wir" im Lande Tirol.

"Was nicht drinnen ist, kann nicht herauskommen" (Zitat Politikwissenschafter Peter Filzmaier)


Foto WWF - Toni Vorauer

Iseltrail: "Pioniere" gesucht



An der Isel im IseltalEine interessante Idee, um die für den heurigen Sommer geplante Eröffnung des Iseltrails zu bewerben:

Der Tourismusverband Osttirol sucht gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern eine mindestens vierköpfige Familie aus Österreich, die eingeladen wird, den Trail offiziell zu eröffnen und als erste zu begehen.

Ausführlichere Details hierzu finden sich im
Beitrag von Dolomitenstadt; dort auch die Kontaktadresse für Interessenten.

Wir haben bereits 2018 und 2019 über die Entstehung dieser einzigartigen Wanderroute berichtet und freuen uns schon auf die Eröffnung.

Hilferuf für unsere Flüsse


Eine neue BOKU-Studie über den Zustand von Österreichs Flüssen lässt den WWF Alarm schlagen und einen Rettungsplan fordern.


An der Isel: Flussauen sind Seltenheiten in ÖsterreichNoch intakte Gewässer sind laut Wissenschaft zu wenig geschützt; rund 60 Prozent der heimischen Fischarten sind gefährdet, nur noch 17 Prozent der Flüsse können frei fließen, Auen sind nur mehr im Prozentbereich vorhanden.

Der Schutzzustand besonderer charakteristischer Schlüsselarten wie Äsche, Huchen, Deutsche Tamariske und Flussuferläufer wurde ebenfalls dokumentiert; auch er bedarf dringend einer Verbesserung.

Die in Österreich ehemals weit verbreitete Deutsche Tamariske hat die größten Vorkommen in Osttirol im Iselgebiet. Der Flussuferläufer brütet nur mehr an 97 km - das sind 0,3% - des gesamten untersuchten österreichischen Gewässernetzes, darunter auch in Osttirol.

Eine der Hauptursachen für die massive Belastung ist der Wasserkraftausbau. So bedrohen die Kraftwerkspläne an der oberen Mur die letzten bedeutenden Huchen-Vorkommen Österreichs; in Tirol sind im Einzugsgebiet der Isel sieben Kraftwerke geplant, ein Vorhaben bedroht die einzigartige Ötztaler Ache.

Ein wirksamer Schutz unserer letzten intakten Gewässer und damit von Überlebensgebieten für verschwindende Arten und Referenzbereichen für die Wissenschaft ist unabdingbar!

Weitere Downloads zu verschiedenen Studien-Details auf der Webseite des WWF!

Sinnvolles Vorbild: Wien schreibt Photovoltaik vor!


Wann wird Tirols Energiepolitik endlich aufwachen?

Wie die Wien-Energie die Sonnenstromerzeugung ausbaut, schilderte die Tiroler Tageszeitung schon im Vorjahr; dabei legt man besonderes Gewicht auf Gemeinschafts-Anlagen für Mehrparteienhäuser. Aber auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Gemeinden hatte Wien-Energie bis zum Vorjahr bereits mehr als 160 Photovoltaikanlagen errichtet und ist bereits jetzt der größte Solaranlagen-Betreiber Österreichs.

Die umweltfreundlichste Stromerzeugung
Nunmehr legt Wiens Politik kräftig nach:
Wie oekonews berichtet, sieht die zur Begutachtung aufliegende Novelle der Wiener Bauordnung eine Photovoltaik-Verpflichtung für alle neuen Gebäude vor.
Sollte dies aus rechtlichen, technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sein, müssen Ersatzflächen innerhalb dies Gemeindegebietes bereitgestellt werden.

Und bei uns in Tirol?

Seit Jahren findet sich auf der Website des Landes Tirol das Interreg-Projekt SOLAR TIROL.

In ihm ist dargestellt, welch außerordentliches Solarpotantial unser Land besitzt ("Tirol könnte nur mit Solarstrom durchkommen" - so am 11. Juni 2015 die Tiroler Tageszeitung); hier finden sich auch räumlich hochaufgelöste Solarpotentialkarten und konkrete Empfehlungen zur Bedeutung der Solarenergie und deren Ausbaumöglichkeit im Land Tirol und der Provinz Bozen.

Aber immmer noch findet sich Tirol unter den Schlusslichtern in Österreich, was die tatsächliche Solarnutzung betrifft; es fehlen entscheidende Anstöße der Politik zur Umsetzung dieser überreichlich verfügbaren Energieform.

Alles, was Tirols Landesstromgesellschaft TIWAG zuwege bringt (außer Plänen für höchst fragwürdige Wasserkraftprojekte wie z.B. jenes am Tauernbach), sind geradezu lächerliche Feigenblättchen wie jene im heurigen Jänner verkündete "besondere Photovoltaik-Offensive": ganze 65 Anlagen für private Haushalte sollen unterstützt werden ...

Anmerkung:

Mit den derzeit von der AUA geforderten 800 Millionen Euro ließen sich - wie Lukas Pawek in einem Kommentar darlegt - 70.000 Dauerarbeitsplätze in der Photovoltaik sichern und nicht bloß 7000 in der Flugindustrie, für 2,5 Millionen Menschen jahrzehntelang saubere Kilowattstunden erzeugen sowie teuere Klimastrafzahlungen vermeiden ...

Weiterverfolgung Kraftwerksprojekt Obere Isel: eine Provokation!


Provokation für Naturschutz, Bürger, Wissenschaft und Politik


Die Isel im VirgentalDie gut informierte Tiroler Tageszeitung berichtet: "Kraftwerk Obere Isel geht doch in die Verlängerung" und analysiert diesen Schritt der Kraftwerksbetreiber mit deutlichen Worten.

Erinnern wir uns an die lange, wechsel- und z.T. schmerzvolle Vorgeschichte:

  • wie auch Hinweise auf die Winterarmut der Gletscherbäche und die dadurch stromwirtschaftliche Fragwürdigkeit vor weiteren Kraftwerks-Planungen nicht Abstand nehmen ließ ...

  • wie den Bürgern im Virgental durch dieses Kraftwerk geradezu Milch und Honig versprochen wurde ...



Wer hinter dem Kraftwerksprojekt steckt:

Ursprünglich war es die Projektentwicklungsgesellschaft Infra, welche den Virgentaler Gemeinden mit Hilfe zweier Werbeagenturen Milch und Honig versprach. Diese Infra plante auch das Stanzertal-Kraftwerk, welches für das Virgental als Lehrbeispiel gelten könnte.

Die Infra ist inzwischen verschwunden.

Wie die mit den Gemeinden Virgen und Prägraten abgeschlossenen (z.T. geheimen) Verträge aussahen, umriss das Nachrichtenmagazin Echo.

Die nunmehrigen Verhältnisse der "Wasserkraft Obere Isel GmbH" (WKOI) mit handelnden Personen und Gesellschaftern verzeichnet das "FimenABC"; dort sind auch Informationen über weitere Funktionen der handelnden Personen sowie Firmenverflechtungen zu finden.

Was hinter diesem neuen Anlauf der Kraftwerksbetreiber steckt,

lässt sich nur vermuten:

Es wird kaum anzunehmen sein, dass sich der nunmehrige Hälfteeigentümer ILF nicht über die rechtliche Situation, den Widerstand in der Bevölkerung und die Absage durch das Land informiert hat, sind zwei andere Hintergründe denkbar:

  • Die beteiligten Gemeinden wollen ihren Bürgern zeigen, dass sie alles für die Realisierung versucht hätten, aber die Landesregierung (oder wer immer) hätte dies verunmöglicht und solle daher die bisher von den Gemeinden in das Projekt gesteckten und nunmehr verlorenen Kosten refundieren

  • oder sollte eine alte Idee des Bürgermeisters von Virgen aus dem Jahre 2011 wieder zum Tragen kommen: Lösegeld für die Isel - also Geld von der Allgemeinheit für den Nichtbau eines Kraftwerkes? ...



Was durch diesen neuen Vorstoß der Kraftwerksbetreiber in Frage gestellt werden kann:


Gefährdet wäre auch die gerade in Fließgewässern weltweit besonders bedrohte Artenvielfalt, zerstört der Ruf der Isel als letzter großer freifließender Alpenfluss Österreichs, als Beispielsfluss für die Wissenschaft und als Teil des großen europäischen Naturerbes Natura 2000.

Jedenfalls:
Eine Wiederaufnahme des Kraftwerksprojektes Obere Isel (Ausleitung der Isel im gesamten bewohnten Virgental) wird entschiedensten Widerstand nicht nur in Osttirol, sondern auch im übrigen Österreich und weit darüber hinaus hervorrufen


Auch das Flussheiligtum Kalserbach ist bedroht In diesem Sinne sprachen sich auch alle Initiativen bei der gestrigen Veranstaltung des WWF am Kalserbach aus:

Eine Ausleitung des Kalserbaches würde nicht nur dieses Flussheiligtum in Frage stellen, sondern zusammen mit anderen Kraftwerken an den Iselzubringern das Gesamtsystem Isel gefährden.

Die Tiroler Tageszeitung, die Kleine Zeitung und Radio Osttirol berichten hierzu ebenso ausführlicher wie Dolomitenstadt.

Tiroler Fischereiverband warnt vor Kraftwerken an der Isel


Dramatische Gefahr für Osttirols Fischbestände in der Isel

Erstmals in dieser Deutlichkeit warnt der Tiroler Fischereiverband vor weiteren Kraftwerken im Einzugsbereich der Isel, wie dem heutigen Bericht der Tiroler Tageszeitung zu entnehmen ist.

Ganz besonders bedroht scheint der Bestand der Isel-Äschen zu sein, deren Laichplätze schon durch bisherige Kraftwerksbauten (Kalserbach, untere Schwarzach) zum Teil verloren gegangen sind. Aber auch andere Fischarten würden durch weitere Kraftwerke empfindlich leiden.

Schon 2001 hat die Hochschule für Bodenkultur in Wien festgestellt, dass die Fischbestände in Isel und Zubringern als "ökologische Besonderheit" anzusehen und als "Referenz-Zönosen von hoher Bedeutung" sind.


Isel-Äschen: durch Kraftwerke bedrohtZur Abbildung:

Es war einmal: Vor dem Bau des Kraftwerkes an der unteren Schwarzach, welches 2007 mit Pomp eröffnet wurde, sah es zur Laichzeit in derem Mündungsbereich so aus wie später noch im Michelbach, einem kleinen Zufluss der Isel, im Jahre 2008: ein Gedränge von fortpflanzungswilligen Äschen. Dies war nicht nur für nur Studenten der Bodenkultur aus Wien eine Besonderheit, sondern auch für viele Wanderer an der Isel.

Heute sind - so die Fischer - in der Schwarzach-Mündung keine und im Michelbach nur mehr einzelne laichwillige Äschen anzutreffen.


Zur Ergänzung:
Auch in der Osttiroler Drau sind die Äschen durch das Ausleitungskraftwerk Strassen-Amlach der TIWAG fast völlig verschwunden; der Schwallbetrieb dieses Kraftwerkes verhindert auch im Unterliegerbereich bis tief nach Kärnten hinab weitgehend eine natürliche Reproduktion der Fische.

Sollen wirklich unwiederbringliche Restbestände unserer Wasserlebenswelten durch weitere Wasserkraftwerksbauten gänzlich verschwinden?

Kraftwerksprojekte in der Iselregion



Wodurch das Flusssystem Isel bedroht ist


Kraftwerksprojekte im Einzugsgebiet der IselErgänzend zur bisherigen Diskussion um noch intakte Fließgewässer - darunter ganz besonders die Isel - hat der WWF eine Übersichtskarte über das Iselgebiet mit den dort geplanten weiteren Kraftwerksprojekten erstellt und veröffentlicht.

Dadurch wird auf einen Blick deutlich, wie an allen wesentlichen Zuflüssen der Isel - (wie Tauernbach, unterer und mittlerer Schwarzach sowie am Staller Almalmbach, am Kalserbach und dem in diesen mündenden Lesachbach samt Hintergrund) - Kraftwerke geplant sind und wie lückenhaft dadurch der Schutz dieses so wichtigen Referenzgewässersystems ist.

Für den Schutz der Isel und der von Kraftwerken bislang verschonten Zubringer gab es ja bereits 2013 einen eindrucksvollen Wissenschafter-Appell an die Landes- und Bundespolitik und später dann auch an die EU.

Ein solcher Schutz ist heute dringender den je und darf nicht an der Ignoranz der Tiroler Landespolitik scheitern!

Debatte über Gewässer in Tirol



Diskussionen rund um unsere Gewässer

Nahezu zeitgleich mit der endgültigen Absage an das Kraftwerksprojekt Obere Isel kam eine Alarmmeldung des Fischereiverbandes:
"Fünf vor zwölf für Tirols Fische", in welcher auf die drastische Abnahme der Fischarten und -zahlen in unseren Gewässern hingewiesen wird. Zitiert wurden die Ergebnisse einer im Auftrag von Bund und Land erstellten Studie, in welcher im Zeitraum von 2007 bis 2018 an 274 Stellen die Fischbestände erhoben wurden.

Dass auch ursprünglich sehr häufige "Massenfische" wie die Äsche - ein Charakterfisch größerer Fließgewässer in Tirol - nunmehr bedroht sind, berichtet auch der ORF Tirol; sie würden "zunehmend um ihr Überleben kämpfen".


die Isel bei Oberlienz: naturnaher Lebens- und Erholungsraum Nahezu 60 Prozent der Tiroler Gewässer entsprächen nicht den EU-Vorgaben. Die oberste Forderung sei "der Schutz der letzten intakten Gewässer, die wir noch haben." "So wie jetzt ist das nicht mehr vertretbar" erklärte der Landesobmann des Fischereiverbandes Andreas Bachler. Es sei vor allem die Politik gefordert, aber auch die Wasserkraft mehr in die Verantwortung zu nehmen.

Solche Aussagen der Fischerei waren in dieser Klarheit bislang eher selten und daher für die Adressaten ungewohnt.


Land und Tiwag setzten sich daher in gewohnter Einigkeit umgehend zur Wehr. Dabei wird verharmlost, manches ökologische Feigenblatt (Fischaufstiegshilfen) bemüht und auch vor Tatsachenverdrehungen nicht zurückgeschreckt: Die Wasserrahmenrichtlinie tritt nicht "erst 2027 in Kraft", sondern gilt schon dem Jahr 2000 und wurde 2003 in österreichisches Recht übernommen. Sie hat das Ziel, innerhalb von 15 Jahren - mit Ausnahmen spätestens 2027 - einen "guten Zustand" der Gewässer zu erreichen.

Speziell in Österreich lief damals die E-Wirtschaft Sturm gegen solche Bestrebungen. Sie hat nicht nur kraftwerksfreundliche Änderungen im österreichischen Wasserrechtsgesetz, sondern auch zeitliche Ausnahmegenehmigungen von der Wasserrahmenrichtlinie erreicht; das zitierte Jahr 2027 ist jenes, in welchem für Schwall/Sunk-Kraftwerke auch jener letzte Ausnahmezeitraum abläuft, um welchen die Tiwag angesucht hat.


Warntafel an der Drau: Wasserschwall Das Ausleitungskraftwerk Strassen-Amlach, dem die Osttiroler Drau zum Opfer fiel, ist eine solche fischschädliche TIWAG-Anlage, die nicht nur in der Ausleitungsstrecke, sondern durch ihren starken Schwall-Sunk-Wechsel auch im Unterliegerbereich zu einer drastischen ökologischen Verarmung geführt hat.

Der Tiwag stünde es ja frei, nicht bis zum letzten Tag mit Verbesserungsmaßnahmen zu warten, sondern schon früher damit zu beginnen.

Im Vorjahr hat auch schon der Rechnungshof einen für Tirol kritischen Bericht zur Gewässersituation veröffentlicht.

Der alarmierende Befund des Fischereiverbandes deckt sich weitestgehend mit dem Ende 2019 erschienenem WWF-Report zum Artensterben in Österreichs Gewässern, in dem mehr als 500 Datensätze offizieller Berichte der Bundesländer an die Europäische Kommission ausgewertet wurden.


Äschen laichen in der Isel Auch diese Diskussion zeigt wieder, wie wichtig noch ökologisch intakte, ohne Stau und ohne Ausleitung fließende Gewässer wie die Isel und die meisten ihrer Zubringer sind: als Refugium für Fließwassertiere und -pflanzen, als Referenzsysteme für die Wissenschaft und als Erlebnis- und Erholungsräume für uns Menschen.

Die Absage des Projektes "Wasserkraft Obere Isel" hat daher auch entsprechend positives Echo hervorgerufen - wie wir z.T. schon berichteten; auch der Naturschutzbund Österreich und die Kronenzeitung freuen sich darüber.

Neue Idee

Der WWF hat schon eine neue Idee in die Diskussion gebracht: Die Isel sei nationalparkwürdig und solle an den schon bestehenden Nationalpark Hohe Tauern angeschlossen werden.

Nationalparks sind im Vergleich zu Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten mit zusätzlichen Mitteln und Personal für die Betreuung ausgestattet und profitieren von einem speziellen Fördersystem. Die Einbeziehung der Isel könnte somit nicht nur für den Schutz, sondern auch für die Entwicklung der Region positive Anreize setzen. Die Erhaltung des international einzigartigen Gletscherflusses für die Zukunft ist gerade angesichts der Klimakrise auch von übergeordnetem wissenschaftlichen Interesse. In den Alpen sind nur mehr 11 Prozent der Gewässer intakt. Die Bewahrung der letzten Wildflüsse als Referenzstrecken hat deshalb höchste Priorität

In Österreich gibt es leider nicht wie in den USA den Begriff "National River". Ein solcher "Nationaler Fluss" wäre in Österreich die Isel; ihre Einbeziehung in den Nationalpark Hohe Tauern kann ein würdiges Äquivalent sein.

Kein Kraftwerk an der oberen Isel



Einmal eine gute Nachricht:

Das Kraftwerksprojekt "Wasserkraft Obere Isel" wurde erstmals 2011 öffentlich vorgestellt und war Anlass zur Entstehung einer Bürgerinitiative im Tal; Ende 2012 reichten die Planer die Umweltverträglichkeitserklärung beim Land Tirol ein.

Das Vorhaben hatte zu sehr kontroversen Diskussionen weit über das Virgental und Osttirol hinaus geführt (blättern Sie hierzu unser Weblog ab 2011 herauf durch!);
im Virgental selbst sorgte es für Unfrieden in den Gemeinden bis in einzelne Familien hinein.


Die Isel bei Virgen - sie soll weiter ungeschmälert fließenGegen Ende 2014 warnte das Land Tirol die beiden Gemeinden Virgen und Prägraten vor einer weiteren Verfolgung des Kraftwerksprojektes. Zuvor schon hatte die EU die Nominierung der Isel für Natura 2000 gefordert und schließlich mit Klage gedroht.

Auch ein rätselhaftes Tamariskensterben im Virgental und spätere Verzweiflungstaten von unbekannten Kraftwerkshoffenden sowie Horrorgeschichten und äußerst untergriffige Debatten über Natura 2000 konnten nicht verhindern, dass 2015 die Tiroler Landesregierung am 3. März 2915 beschloss, die gesamte Isel für Natura 2000 zu nominieren. im gleichen Jahr startete auch das für 10 Jahre vorgesehene "Regionalwirtschaftsprogramm Natura 2000 Isel", welches inzwischen immer wieder gerne in Anspruch genommen wird.

Nunmehr erfolgt endlich der längst fällige Schlussstrich wenigstens unter dieses 2015 ruhend gestellte Kraftwerksprojekt, welches die Natursubstanz unseres Bezirkes besonders stark in Mitleidenschaft gezogen hätte.

Gewässersystem der Isel durch Kraftwerksableitungen weiterhin bedroht


Die Schwarzach ist ein großer Wasserzubringer in die Isel.

Rohre zur Ableitung der Schwarzach durch die TIWAGIm Jahre 2006 begannen die TIWAG mit Bauarbeiten für ein Ausleitungskraftwerk und verlegte damals schon vorsorglich überdimensionale Druckrohre, um nach Auslaufen der Ökostromförderung noch mehr Wasser ausleiten zu können. Dieses Schwarzachkraftwerk wurde im Herbst 2007 vom damaligen Landeshauptmann van Staa mit großen Tönen eröffnet.

Im Vorjahr haben wir über die nunmehr beantragte Erweiterung dieses Kraftwerkes und auf die Hintergründe dazu verwiesen. Gegen die Bewilligung für dieses Kraftwerk haben überregionale Umweltverbände wie WWF und Ökobüro, aber auch der Verein Erholungslandschaft Osttirol Einsprüche erhoben, die nun gerichtlich geprüft werden.

Über dieses Kraftwerk hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Wasserkraftprojekte an der Schwarzach und auch im übrigen Einzugsgebiet der Isel (das größte davon ist das Tauernbachprojekt der Tiwag).
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Die frei und ungebrochen fließende Isel Solche Eingriffe im Einzugsgebiet der Isel würden natürlich die Abflussverhältnisse und den Geschiebehaushalt im Flussbett ändern und damit viele durch Natura 2000 geschützte Arten und Lebensgemeinschaften beeinträchtigen.

Diese Verschlechterungen beträfen gerade jenes Flusssystem , dessen unzerstörte Erhaltung als Referenzsystem unersetzlich ist. Bereits 2013 richteten Wissenschafter einen dringenden Appell an die Politik in Österreich und dann auch an die Europäische Union.

Die Isel ist der Herzfluss Osttirol und der letzte freie Alpenfluss Österreichs. Allerhöchste Zeit, dass nun endlich wirksame Schutzmaßnahmen für dieses ganz besondere Flussystem der Isel und seine unersetzlichen Lebensräume getroffen werden!

Auch der WWF setzt sich in einem dringendem Appell für dieses kostbare Flusssystem unseres Landes ein.